Vielfältige Quartiere statt Monostrukturen

Wohnen ist individuell und persönlich, gleichzeitig ein Politikum und eine soziale Frage. Hinter der Frage, worauf es heute beim Wohnungsbau ankommt, stecken vielfältige Ansprüche: Er muss Lebensraum zum Wohlfühlen bieten, städtebaulich Sinn ergeben, oft unter strengen Denkmalschutzauflagen stattfinden und dabei angemessen die ökologische Dimension beachten. Architektinnen und Architekten haben in den vergangenen Jahren mindestens ebenso vielfältige Antworten auf diesen Fragenkatalog gefunden. Anhand der besten, mit dem Erich-Mendelsohn-Preis 2023 für Backstein-Architektur ausgezeichneten und nominierten Projekte nähert sich die aktuelle Ausgabe der Vorteile dem Themenkomplex Wohnungsbau.

Die Jury des Erich-Mendelsohn-Preises hat ein starkes Zeichen gesetzt: Gleich drei Gold-Winner gibt es in der Kategorie Wohnungsbau. Das Social Atrium in Barcelona, das Quartier Heidestraße in Berlin und die Gleistribüne in Zürich. Jurorin Susanne Wartzeck (Präsidentin des BDA) begründet die Wahl im Interview: „Das Thema Wohnungsbau scheint europaweit virulent. Da fand ich es wichtig, eine möglichst große Bandbreite zu beachten.“ Laut Juror Ulrich Brinkmann (Redakteur der Bauwelt) verbindet die Projekte die gelungene Umsetzung der alten Forderung nach einer guten Mischung: „Funktional und sozial, klein und groß, alt und jung, schon immer da gewesen und neu hinzugekommen. Außerdem wenig Verkehrsaufkommen, Gewerbe, Produktion und Wohnen, Kultur, Bildung – kurz: die 15-Minuten-Stadt.“ Durch kontextsensitive Architektur gelingt es, bei Konversionen ehemals zweckmäßig ausgerichteter Gebiete oder gar aus dem Nichts statt Monostrukturen vielfältige Quartiere mit Charakter und hoher Lebensqualität zu schaffen. Was für Esch Sintzel Architekten eine Brachfläche an den Gleisfeldern war, die sie in ein lebenswertes Wohngebiet verwandelt haben, war für Robertneun Architekten ein ehemaliger Berliner Güterbahnhof und für Hilberinkbosch Architecten das einstige Philips-Fabrikgelände in Eindhoven.

Eine Idee, die sich durch das Heft zieht: Mit dem Vorhandenen weiterbauen ist nicht nur ressourcenschonend, sondern stiftet auch Identität. Besonders prägnant bringt diesen Gedanken das Projekt Luise 19E des Newcomer-Siegers Jurek Brüggen zum Ausdruck: Der Jungarchitekt hat gemeinsam mit den Mitgliedern einer Wohngenossenschaft die Backsteine einer baufälligen Garage recycelt und daraus in einem kollaborativen Prozess ein Gemeinschaftshaus geschaffen. Es sind innovative Ansätze wie diese, die Bundesbauministerin Klara Geywitz in ihrem Grußwort prophezeien lassen: „Die in dieser Ausgabe vorgestellten Wohnungsbauten sind nicht nur wegweisend für die nachhaltige Gestaltung unserer Städte, sondern werden auch künftige Generationen von Architektinnen und Architekten inspirieren.“ Ausgabe Nr. 25 des Backstein-Magazins präsentiert sich – passend zum neuen Namen des Preises –erstmals im neu gestalteten Layout.

Weitere Infos:
Initiative Zweischalige Wand – Bauen mit Backstein
E-Mail: zwm@ziegel.de, www.backstein.com

Weitere Informationen zum Erich-Mendelsohn-Preis 2023 für Backstein-Architektur finden Sie unter www.erich-mendelsohn-preis.com und zum VORTEILE-Magazin 25 unter erich-mendelsohn-preis.com/de/backstein-magazin/vorteile-ausgabe-25

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